Odyssee – Bloggeschichte Teil 4
Mit viel Verspätung der vierte Teil. Um alles zu verstehen, solltet ihr auch den ersten, zweiten und dritten Teil gelesen haben…
Und dann war der Moment der Stille auch schon wieder vorbei…
“Dann finden wir mal heraus, was Sie den letzten Abend getrieben haben – nicht, dass irgendwo noch eine Leiche im Verborgenem bleibt”, Renate sagte dies mit einem Zwinkern und ganz sicher ohne sich genaueres dabei gedacht zu haben, das merkte ich ihr an. Aber ihre Worte hallten noch lange in meinem Kopf nach ‘nicht, dass irgendwo noch eine Leiche im Verborgenem bleibt’ – was zum Teufel hatte ich angestellt? Könnte ich soetwas wirklich getan haben? Rein hypothetisch? Und wenn ja – wie? Und vor allem: Wer?
“Geht es Ihnen gut? Brauchen Sie etwas?” – huch, schien wohl gar nicht auf Renate reagiert zu haben. “Haben Sie eine Asperin im Haus?”, da deutete Sie mit ihren Fingern Richtung Tisch. Er war üppig gedeckt, alles was das Herz begeert: Eier, Brötchen, Orangensaft, Milch, Käse, Wurst, Marmelade, Honig, Nutella, Kaffee, Multivitaminsaft… Nicht zu vergessen die Kopfschmerztablette. ‘So kann man es sich gut gehen lassen’, dachte ich mir und setzt mich an den Tisch.
Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte, also lächelte ich verlegen und schluckte die Tablette mit einem Schluck Wasser herunter. Weil mir danach immernoch nicht einfiel, was ich sagen sollte, trank ich das ganze Glas leer. Eigentlich hoffte ich, dass Renate das Wort ergreifen würde, doch wir schienen beide nicht die großen Redner zu sein. Wir schauten uns an, aber keiner sagte ein Wort. Ein beklemmendes Gefühl. Dann nahm Sie sich ein Brötchen, schnitt es auf, belegte sich es mit Wurst und Marmelade und fing an zu essen.
Ich tats ihr gleich. Nicht mit Wurst und Marmelade, die Mischung ging mir als Kind schon tierisch gegen den Strich, außerdem ass ich seit 2 Jahren eh kein Fleisch mehr. Käse tats auch! Mittlerweile war das Gefühl zwischen Renate und mir auch nicht mehr fremd. Komischerweise fühlte ich mich ihr verbunden, obwohl ich sie gar nicht kannte oder richtig mit ihr gesprochen hatte.
In meinem Kopf malte ich mir ihre Lebensgeschichte aus – das tat ich oft und gerne. Hatte sie nicht einen verstorbenen Ehemann erwähnt? Sie muss jung geheiratet haben. Bestimmt gegen die Erlaubnis ihres Vaters, ihre Mutter hingegen war von dem neuen Schwiegersohn begeistert. Ob sie Kinder hatten? Zumindest eines, was schon im Kleinkindalter gestorben ist… An ihren Fingern ist Hornhaut – bestimmt spielt sie Gitarre, schreibt vielleicht sogar ihre eigenen Lieder. Das sie eine kreative Person ist, dass sieht man ihr an. Ihre eisblauen Augen strahlen freundlich, weswegen vermutlich kein Mensch jemals angst vor ihr haben könnte. Ihr Wesen ist so anziehend, dennoch scheint sie sich abzuschotten. Warum bloß? Was hat sie für ein Geheimnis?
“Wissen Sie, wie spät es ist?”, in dem Moment fiel mir auf, dass meine Uhr nicht da war. Komisch, gestern hatte ich die doch noch. “Es ist dreiviertel zwei”. Wo bin ich denn gelandet? Was ist das für eine Uhrzeit? “Entschuldigung… Wie spät ist es?” – “Dreiviertel zwei.”, und wieder deutete Renate mit ihrem Finger in eine Richtung – zur Uhr. “Wo bin ich hier?”, ich konnte das Entsetzen in meiner Stimme nicht unterdrücken. “Wissen Sie denn gar nichts mehr von gestern?”, ich drehte mich um, denn die Stimme kam nicht von Renate…

;) sehr gut geworden! Bin schon auf den nächsten Teil gespannt!